Interview mit PROVIEH

Wir haben die Spendenzahlungen aus den Verkäufen der Kollektion „Respect“ zum Anlass genommen, ein kleines Interview mit PROVIEH zu führen. Wie es der Organisation geht und wo die Spenden durch unsere nachhaltige Mode helfen, erfahrt hier:

Hi, erzählt doch mal: Welche Ziele habt ihr letztes Jahr erreicht? Was war euer größter Erfolg?

PROVIEH: Grundsätzlich verfolgen wir mit unserer Arbeit immer das gleiche Ziel: die Lebensumstände von „Nutz“tieren zu verbessern. Es gibt diverse Projekte und Kampagnen, mit denen wir dieses Ziel verfolgen. Im letzten Jahr haben wir uns sehr für die Kampagne „Zeit zu zweit – für Kuh und Kalb“ zur muttergebundenen Kälberaufzucht eingesetzt und konnten erreichen, dass sich immer mehr Landwirt:innen an dem dazugehörigen Projekt beteiligen. Dadurch erfahren Kuh und Kalb gesteigerte Wertschätzung, die Kälbchen können bei ihrer Mutter aufwachsen und werden nicht, wie in der Intensivtierhaltung üblich, sofort nach der Geburt von ihnen getrennt, was natürlicherweise für beide sehr viel Stress und großes Leid bedeutet. Außerdem wurde endlich ein Gesetz zum Verbot des Kükentöten erlassen, wofür wir uns schon lange vehement eingesetzt haben. Das ist ein wichtiger Schritt für die Verbesserung der Lebensumstände von Hühnern und vor allem Hähnen!

Und was sind eure Ziele für 2022? Und wie wollt ihr sie erreichen?

PROVIEH: Auch für das Jahr 2022 haben wir schon viele Pläne und Ideen, um die Haltung landwirtschaftlicher Tiere artgemäßer und wertschätzender zu gestalten. Denn für uns ist es sehr wichtig, dass „Nutz“tiere nicht als bloße Produktionseinheiten gesehen werden, sondern als intelligente und fühlende Lebewesen. Nachdem sich nun die neue Bundesregierung zusammengesetzt hat, haben wir es uns zur Aufgabe gemacht, sie an ihre Wahlversprechen zu erinnern, damit sie sich stärker als die bisherige für den „Nutz“tierschutz und das generelle Tierwohl einsetzt. Deshalb ist eines unserer wichtigsten Ziele im neuen Jahr das Durchsetzen einer gesetzlich verpflichtenden Haltungskennzeichnung für alle tierischen Produkte. Jeder soll auf den ersten Blick erkennen können, wie das Tier gehalten wurde. Hier muss es echte Transparenz für die Verbraucher:innen und langfristige Zukunftsperspektiven für die Betriebe geben, damit stärker in das Tierwohl investiert wird. Außerdem werden wir in diesem Jahr ein ganz spezielles Schulprojekt durchführen: “Blick über den “Tellerrand”– Das Tier hinter dem Produkt/Lebensmittel”. Damit wollen wir zur nachhaltigen Entwicklung unserer Gesellschaft beitragen und Schüler:innen in Schleswig-Holstein die Möglichkeit geben, ihr eigenes Konsumverhalten zu reflektieren und einen bewussteren Umgang mit tierischen Lebensmitteln zu entwickeln.

Wo helfen euch unsere Spenden aus den Verkäufen von 2021?

PROVIEH: Wir sind eine spendenfinanzierte gemeinnützige Organisation, weshalb uns nur ein sehr geringes Budget zur Verfügung steht. Umso mehr freuen wir uns über solche Aktionen wie diese, um unsere Arbeit bekannter zu machen und damit die Lebensumstände von „Nutz“tieren zu verbessern. Um als Fürsprecher von landwirtschaftlich genutzten Tieren einzustehen, leisten wir sowohl Aufklärungs- und Beratungsarbeit für die Verbraucher:innen und sind gleichzeitig in der fachlichen und politischen Arbeit aktiv. Um Projekte, wie etwa unser Schulprojekt, und Kampagnen durchzuführen, Flyer, Broschüren und Banner zu drucken, Podiumsdiskussionen etc. in die Wege zu leiten, benötigt es gewisse Mittel, mit denen natürlich ordnungsgemäß und transparent umgegangen wird.

Und was sind derzeit die größten Herausforderungen?

PROVIEH: So traurig, wie es klingt, aber Geld regiert die Welt. Was sich bewährt hat, um auf einfache Weise schnell viel Geld zu machen, wird beibehalten, egal, ob es für Mensch, Tier und Umwelt ungesund oder schlecht ist. Das ist in der Intensivtierhaltung leider der Fall, denn bessere Haltungs- und Lebensumstände für Tiere bedeuten natürlich auch höhere Kosten für die Landwirtinnen und Landwirte, die wiederum auf die Konsument:innen umgeschlagen werden müssen. Deshalb sind wir als Verbraucherinnen und Verbraucher gefragt, uns gemeinsam für unsere „Nutz“tiere und deren Schutz einzusetzen und unser Konsumverhalten dahingehend zu ändern. Wir merken bereits jetzt, dass viele Konsument:innen dazu übergangen sind, mehr auf die Qualität des Fleisches zu achten und dass es für sie wichtiger wird, auch die Lebens- und Haltungsumstände der Tiere zu kennen. Nur wenn diese offengelegt werden – etwa mit der soeben erwähnten Haltungskennzeichnung –, kann jede und jeder für sich entscheiden, welche Tierhaltung ihr oder ihm wichtig ist.

Zuletzt noch: Was sollte die espero-Community noch von euch wissen?

PROVIEH: Zuerst möchten wir uns ganz herzlich bei euch für die Zusammenarbeit und eure Unterstützung bedanken! Außerdem gilt unser Dank natürlich denjenigen, die bereits Kleidung aus „unserer“ Kollektion gekauft und damit einen wertvollen Beitrag zum Tierwohl geleistet haben! Auch mit kleinen Schritten und kleinen Beiträgen können wir als Gemeinschaft mehr bewirken, als wir jetzt vielleicht erahnen können! Vielen Dank!